Funktionaler Analphabetismus – Was ist das?

Funktionale Analphabeten sind nicht zwangsläufig Menschen, die überhaupt nicht lesen und schreiben können. Der Begriff ist relativ und muss im Zusammenhang mit dem gesehen werden, was in der jeweiligen Gesellschaft an Schriftsprachbeherrschung erwartet wird.

Funktionaler Analphabetismus kann in allen Bevölkerungsschichten vorkommen und auch Menschen in gesicherten Verhältnissen betreffen. Häufiger tritt Funktionaler Analphabetismus jedoch in benachteiligten Lebenslagen auf.

 

Definition der Arbeitsgruppe „Zielgruppenanalyse (2010) aus dem BMBF-Förderschwerpunkt „Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich Alphabetisierung / Grundbildung für Erwachsene“:

„Funktionaler Analphabetismus gilt dann als gegeben, wenn die schriftsprachlichen Kompetenzen von Erwachsenen niedriger sind als diejenigen, die minimal erforderlich sind und als selbstverständlich vorausgesetzt werden, um den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Dies bedeutet, dass die Fähigkeiten von funktionalen Analphabeten insbesondere im sinnverstehenden Lesen und die Fähigkeit sich schriftlich ausdrücken zu können nicht ausreichen, um schriftsprachliche Anforderungen des täglichen Lebens und einfachster Erwerbstätigkeit bewältigen zu können“.

 

Im Alltag heißt das, betroffene Menschen nutzen die Schriftsprache nicht, um damit zu kommunizieren, sich zu informieren und die eigene Lebenssituation zu reflektieren.

Lesen und Schreiben haben sie in Schule und Elternhaus nur unzureichend oder mit großen Schwierigkeiten erlernt. Ihr Alltag war häufig nicht auf Schriftsprachnutzung ausgerichtet. So haben viele betroffene Menschen Lesen und Schreiben nicht gebraucht, es deshalb nicht wirklich angewandt und es somit nicht in ihrem Alltag verankern können.

Die Ausprägungen der Lese- und Schreibschwierigkeiten sind nicht bei allen Betroffenen gleich. Es gibt dabei 3 Hauptgruppen:

  • Menschen, die überhaupt nicht lesen und schreiben können
  • Menschen, die einfache Wörter und Texte mühsam lesen und schreiben können
  • Menschen, die relativ gut lesen können, aber erhebliche Probleme beim Schreiben haben und deshalb Situationen vermeiden, in denen geschrieben werden muss

  

LESEN: sinnverstehendes Lesen in einem angemessenen Tempo (z.B. Texte, Tabellen, Grafiken, Listen, Arbeitsanweisungen, Verbraucherinformationen, Deuten von Symbolen und Schildern u.a.m.)

SCHREIBEN: Fähigkeit, sich schriftlich auszudrücken (angemessenes Tempo, Ausfüllen von Listen / Formularen / Tabellen etc., Aufschreiben von Notizen z.B. Einkaufszettel, Rechtschreibung, Zeichensetzung u.a.m.)

ABER: Lesen und Schreiben allein reichen nicht aus!

 

Grundbildung:Sprechen und Zuhören- auch im Sinne verstehen
Rechnen / Alltagsmathematik- Wertigkeit der Zahlen
Medienkompetenz- u.a. Geld- und Fahrkartenautomaten
Anglizismen- Begriffe im Sprachgebrauch

 

Menschen, die als Erwachsene Lesen und Schreiben lernen, sind nach ihren ersten Leseerfahrungen häufig beeindruckt von der neuen Fähigkeit: „Das steht ja hier. Ich muss mir das nicht alles merken.“